Einspeisen

Gestern gab es mit der Post,
die Stromabrechnung – und mein „Boss“,
meinte blass, die tue weh,
doch habe sie – schon DIE Idee.

Ich meinte „Bravo“ – ganz lakonisch,
da sprach sie knapp: „Werd nur nicht komisch.
Wer braucht des Nachts im Keller Licht?
Das bist doch du – bestimmt nicht ich!“

Mein Einwand, dort gäb´s keinen Strom…,
wen interessiert mein Reden schon?
Ich mache Licht – dort an der Wand,
mit Talg, den ich am Schlachthof fand.

Egal – wie es auch immer ist,
meine Liebste hat den Biss,
und schenkte mir am Abend schon,
ein Paket – von amazon.

Mit netten Schleifen fein verhüllt,
welch Geschenk – welches schönes Bild,
ich packte aus – der Freude Saat,
und fand darin – ein Hamsterrad.

Riesengroß – im Eigenbau,
und eines sah ich ganz genau:
Selbst ich, ich hätte Platz darin,
plötzlich machte alles Sinn.

Das Kabel, das dort hinten ragt,
die Liebste, die mir ungefragt,
den Weg zum feuchten Keller weist:
„Liebster – dort läufst du im Kreis.

Die Zeit, im Keller abzuhängen,
den süßen Alltag zu verdrängen,
die ist ab heute jäh vorbei,
du strampelst dort – von 8 bis 2.

Weihnachten – so steht´s geschrieben,
wird unterm grünen Baum entschieden,
und damit der fröhlich brennt,
erwarte ich, dass du dort rennst.

Den Rest, den speisen wir ins Netz,
das Motto „Sparen“ gilt ab jetzt,
und wehe, wenn die Leistung schwankt,
ich ziehe dir die Ohren lang!“

Seitdem sitz ich – dem Hamster gleich,
im – von ihr geschaffenen Reich,
strampele so wie´s ihr gefällt,
hab keinen Mut – war nie ein Held.

Doch was ist – spür Angst im Bauch,
wenn demnächst kein Schornstein raucht,
weil der Gaspreis ständig steigt….?!
Ob sie mir dann – die Bohnen zeigt?   15.12.2011
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Nikolaus_2011

Morgen kommt der Nikolaus,
Leute, stellt die Schuhe raus,
und falls ich selbst mich jetzt nicht spute,
gibt’s für mich erneut – die Rute.

The same procedure – every year:
Die Liebste steht so groß vor mir,
mit dem roten Buch aus Samt,
was darin steht – ist mir bekannt.

Sie fragt mich ernst nach nem Gedicht,
ich überlege – weiß es nicht,
ich stottere, ich leide, stammel,
oh mein Gott – ich hab so Bammel.

Und dann – dann fängt sie an zu lesen,
ich ahne es, das ist´s gewesen,
ich halte mir die Ohren zu,
und schau betreten auf die Schuh.

Ich kann mir denken, was da steht,
weiß genau, worum es geht:
Ich lass mein Herzblatt – so wird’s sein,
dank des Bocks zu oft allein.

Hab ich den Müll wohl rausgebracht?
Ich meine schon – erst letzte Nacht.
Und räumte ich die Spülmaschine?
Ich bekomm – was ich verdiene.

Der Schweiß bricht aus – ich schwitze, friere,
und ich hyperventiliere,
ich riskiere einen Blick,
ich fühl mich schuldig – und bedrückt.

Mich verlässt der letzte Mut,
ich meine fast – es riecht nicht gut,
ich glaub, ich werde nimmer froh,
das war bei mir – als Kind schon so.

Da stößt die Liebst mich kurz an:
„Die Augen auf – jetzt bist du dran,
du hast die Schuhe fein poliert,
gerade so – wie´s sich gebührt.

Du warst das ganze Jahr recht brav,
ich hab dich überwacht – im Schlaf,
so steht in meinem roten Buch,
für die Rute – nicht genug.

Daher gibt’s für dich Schokolade,
finde ich´s auch reichlich schade,
aber teil sie dir gut ein,
ein Riegelchen – mehr muss nicht sein.“

Ich atme auf – ich könnt sie küssen,
endlich nicht mehr zittern müssen,
jetzt habe ich – ich bin bereit,
bis nächstes Jahr – noch so viel Zeit.   05.12.2011
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Der kleine Medizinmann

Manchmal – das weiß ich sehr wohl,
bin ich – sozusagen – hohl,
doch manchmal weiß ich auch bestimmt,
was man(n) mit auf Reisen nimmt.

Da wär erstens, beispielsweise,
die Apotheke für die Reise,
sowie das dick gebundene Werk,
„Der kleine Hausarzt“ – wohlgemerkt.

Dazu noch sauberes Tuch aus Leinen,
überflüssig, mag man meinen,
doch nicht, wenn man, wie´s mir bald blüht,
mit Schwangeren der Wege zieht.

Ein Bottich Wasser – hoch erhitzt,
verfrachtet auf den hinteren Sitz,
denn die Sorge wird sehr groß,
geht’s bei mir im Wagen los.

Fast 300 Kilometer,
machen mich vielleicht zum Täter,
bin angespannt, oh, ganz gewiss,
auch wenn´s der 7. Monat ist.

Betrachte sie mit Argusaugen,
meint Ihr auch, dass ich nichts tauge,
so las ich mich schon bestens ein,
ich will perfekt gerüstet sein.

Ein Blaulicht hab ich schon geklaut,
mir war nicht wohl in meiner Haut,
das kommt dann oben drauf, aufs Dach,
so ähnlich hab ich´s mir gedacht.

Atemtechnik kenn ich doch,
zwar lang schon her – ich weiß es noch,
ich hechele mal grad auf Probe,
und mag mich fast schon selber loben.

Für meine Weitsicht, den Elan,
gibt’s ein Problem? Ich zieh den Zahn!
So sorge Dich nicht, Claudia,
wenn es losgeht – bin ich da.

Und sollt ich etwas hektisch scheinen,
mach Dir nichts draus, Du musst nicht meinen,
ich mache das zum ersten Mal,
Du hast ja schließlich keine Wahl.

Die Liebste, sie erinnert sich,
besser ging es ohne mich,
doch keine Angst vor meinem Eifer,
heute bin ich einfach reifer.

Wo hab ich die Gedanken nur?
Die Schere für die Nabelschnur,
gehört dazu – mit scharfem Schliff,
bleib ruhig – ich habe das im Griff.      09.09.2011
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Randale

Schön ist es, zu renovieren,
und zu sehen, und zu spüren,
wie das Alte neu ersteht,
an jedem Punkte, wo das geht.

Man ist stolz, man ist zufrieden,
und hofft dabei, dass seine Lieben,
das ebenso mit Freude sehn...,
wär das so - so wär das schön.

Denn unser Sohn hat eine Frau,
aus der werd ich seit heut nicht schlau,
weil sie still in letzter Nacht,
unser Haus zu Kleinholz macht.

Karatemäßig und behände,
sprang sie gegen unsere Wände,
behauptet dann, das sei im Schlaf,
und ansonsten - sei sie brav.

Sie habe nur mal schlecht geträumt,
und den rechten Punkt versäumt,
um beizeiten zu erwachen,
dann passierten solche Sachen.

Sie sprang - als starke Frau der Tat,
an die Wand - fast im Spagat,
ich hörte es, im frühen Schein,
und rief verwundert, laut: "Herein".

Ich ging zum Tor - wo niemand stand,
da sah ich's Loch schon in der Wand,
und ihren Fuß, der früh am Tag,
weit aus dem Fiasko ragt.

Na Klasse, denk ich, welch ne Schau,
das ist wohl dieser Frust am Bau,
von dem die halbe Welt oft spricht....,
da seh ich plötzlich ihr Gesicht.

Verwundert - und mit Unschuldsmiene,
blinzelt sie aus der Ruine,
zuckt die Schultern und erklärt,
der Traum sei diesen Schaden wert.

So reichte ich ihr stumm die Kelle,
und den Zement, dass auf die Schnelle,
das Bruchstück fix geschlossen sei,
heut Abend strahlt´s schon fast wie neu.

Doch werd ich nun, an allen Tagen,
nicht mehr sehr viel Ruhe haben,
zuck bei jedem Schlag zusammen,
auf meiner Seele tiefe Schrammen.

War die Randale denn bewusst,
das, bitte, hätt ich gern gewusst,
ich bange um das Haus, mein Heim,
ich mag nicht - ohne Obdach sein.        02.06.2011
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Stimmen

Vor Wochen habe ich entdeckt,
wie gut der Reiz des Fernweh schmeckt,
und ständig wandert nun mein Blick,
zum WWW – das ist verrückt.

Dort spricht man mir von einer Reise,
und in mir klingt es schon ganz leise:
„Junge, wage diesen Schritt,
da musst du diesmal einfach mit.“

Ich weiß, ich höre manchmal Stimmen,
manche meinen auch – ich spinne,
doch ist das Stimmchen mal erwacht,
bekomm ich´s nicht mehr ausgemacht.

Nun wispert es von weiter Welt,
Konzerten unterm Sternenzelt,
von Sonne, Sand und Meer, Musik,
einfach nur vom puren Glück.

Ich weiß fast alles – könnte ziehn,
was uns nur fehlt, ist der Termin,
doch heute ist der Tag nun da,
vielleicht wird jetzt die Sehnsucht wahr.

Vielleicht sag ich, der Zeitpunkt passt,
auf meinem Herzen drückt die Last,
und während noch mein Auge schaut,
wird das Stimmchen langsam laut.

Ich seh mich schon – das wird ein Fest,
sofern mich meine Liebste lässt,
mit ihr an einem fernen Strand,
doch ist die Hoffnung – noch wie Sand.

Musik, sie macht uns Gänsehaut,
egal ob leise – oder laut,
Musik, sie lässt uns einfach schweben,
Musik, die reine Lust am Leben.

Das Hoffnungs-Stimmchen wispert süß,
erzählt vom Gig im Paradies,
erzählt mir voller Macht und List,
von Tagen – die man nicht vergisst.

Ich hab versucht, es zu verwalten,
die Stimme einfach abzuschalten,
und hab es schließlich auch geschafft,
mein Gott – was habe ich doch Kraft.

Denn als ich schlief – da ging´s perfekt,
doch kaum hat mich der Tag geweckt,
war das Raunen wieder da,
stets aktiv – und stets mir nah.

Heut wag ich nun – und dies beizeiten,
den Blick in die ersehnten Weiten,
bin auf der Site der Dauergast,
und hoffe sehr – der Zeitpunkt passt.    02.06.2011
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Bügel-Blues again

Ich war gut drauf, die Sonne schien,
ein Tag, wie man ihn sich verdient,
im Frühling – kurz vorm Wochenend,
Hast und Kummer weit und fremd.

Das Tagwerk winkt kaum mit Problemen,
niemand war im Frust zu zähmen,
und von der Hand lief vieles glatt,
mein lieber Mann – dat is schon watt.

Da kam es mir kurz in den Sinn,
dass ich im Grunde glücklich bin,
und ich fragt mein Eheweib,
kurz nach ihrem Zeitvertreib.

Doch scheint´s, wenn man zu häufig lacht,
hat man nicht an den Wirt gedacht,
denn die Rechnung gab es prompt,
und dass so was von sowas kommt.

Die erste Nachricht fand kaum Hall,
das heißt zwar Warnung – klarer Fall,
jedoch, ich war im Überschwang,
und hielt – als ich noch konnt – nicht an.

Denn die Liebste hielt die Zügel,
stand am Brett und hat gebügelt,
und wie der Dampf dem Eisen flieht,
so dampft´s auch mir – das alte Lied.

Einem kurzen Warnschuss gleich,
kam die Meldung: „Freund, es reicht!“
… ich duckte mich, verkroch mich gar,
wär sie auch weit, bis Sansibar.

Doch sind´s nur wenig Kilometer,
das dicke Ende, es kommt später,
und wie weit ihr Schwinger reicht,
da gibt’s kein Maß – ich sag es Euch.

Seitdem fehlt mir – es ist kein Hohn,
vor lauter Angst – Konzentration,
und ich flüchte – ganz allein,
in mich selbst – in einen Reim.

Again sing ich den Bügel-Blues,
was sie auch sagt – na klar, ich tu´s,
denn nur so entgehe ich,
dem allerjüngsten Strafgericht.

Die Liebste jäh beim Bügeln stören,
dazu muss schon Mut gehören,
oder wie bei mir, grad heut,
tiefste Unverfrorenheit.

Zitternd heb ich meine Hände:
Birgt der Tag ein gutes Ende?
Oder war´s mein letzter Gruß?
Gitarrenklang zum leisen Blues.     19.05.2011
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Sitting Bull

Wird das Haar auch grau und schütter,
ist das im Grunde zwar sehr bitter,
und doch hab ich Berechtigung,
zum Kleinkind hüten – das hält jung.

Die Eltern sind heut auf der Rolle,
und meine Frau, das ist das tolle,
hütet mit mir froh das Kind,
wie gut, dass wir noch rüstig sind.

Mein Weib ist flott, ein schlankes Wesen,
auch ich bin das ja einst gewesen,
doch heut wölbt sich die Linie,
nichts mehr mit schlank wie Pinie.

Das Kind will tanzen – ich tanz mit,
breche ein, beim sechsten Schritt,
nicht mehr fit, noch powerful,
ich fühle mich – wie Sitting Bull.

Und sitze still, wie hin geweht,
dort wo das weiche Sofa steht,
streich den Schweiß aus meinem Skalp,
ich werde doch nicht etwa alt?

Ich winke mit der Friedenspfeife,
erzieh das Kind – das nennt man Reife,
der Kriegspfad ist mir lang verwehrt,
Sitting Bull ist viel zu schwer.

So stellt mich an den Marterpfahl,
drei Wochen lang – das wär egal,
macht trocken Brot ab jetzt zur Pflicht,
ein Indianer weint doch nicht.

Doch meine Squaw, dies holde Wesen,
schwingt im Haus nicht nur den Besen,
sondern spricht: „Am besten liegt man(n),
froh gelaunt in meinem Wigwam.“

Dort treibe sie das Jammern aus,
Midlife Crisis – welch ein Graus,
55 sei kein Alter,
Schluss und Ende, mein Gott Walter.

Dann schickt sie mich erneut zum Kind,
ich mühe mich – wer wagt, gewinnt,
und merke plötzlich, sprachlos, stumm,
Bewegung hält tatsächlich jung.

Das Kind hat Spaß, und ihm gefällt,
unsere durchgeknallte Welt,
wie gut, wenn sie noch formbar sind,
das ändert sich – oh, ganz bestimmt.

Und Sitting Bull verschwindet still,
ach ja – was ich noch sagen will:
Ich höre stets auf meine Frau,
sie ist weise – Punkt und Howgh!           16.10.2010
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Gummi

Ein ruhiger Mensch, perfekt gebaut,
niemals hektisch, niemals laut,
er kennt nur Eines: seine Pflicht,
das klingt sehr gut – doch bin´s nicht ich.

Bis gestern war ich noch umworben,
fast ein Heimchen, unverdorben,
doch kann der Frömmste, das soll´s geben,
nicht dauerhaft in Frieden leben.

In der Seele sind nun Kerben,
denn Wesen wollen mich verderben,
für die das nun das Höchste ist.
Schweiget still – Ich bin gewiss.

Da saß ich gestern, wie ein Spatz,
ganz fromm an meinem Arbeitsplatz,
und betete, im stillen Tanz,
grad eben mal den Rosenkranz.

Dann spülte ich – ich wahre Klasse,
den Mund mir mit geweihtem Wasser,
um zu bereuen, Blick zurück,
was mir so über Tag missglückt.

Niemals hätte ich gedacht,
an den Affront, die dunkle Nacht,
als Chefin sprach, ganz kurz und knapp:
„Nun ziehe jetzt den Gummi ab…“

Dann grinste sie mich schamlos an,
teuflisch, wie´s nur Eine kann,
die den Schalk im Nacken trägt,
und so an meiner Unschuld sägt.

Seit diesem Tag, in Teufels Namen,
brach mein Ego – das sind Dramen,
und ich bin heute – ach, wie wahr,
nicht der, der ich noch gestern war.

Egal, was immer sie auch meinte,
ich bin geschockt, mein Herz, es weinte,
Veränderung, oh, wie sie schmerzt,
ein Pfeil ins waid und wunde Herz.

Heute noch geh ich zur Beichte,
auf dass man mir Erlösung reiche,
und am besten, nein, kein Hohn,
beichte ich… im Stadion.

Dort kann ich meinen Frust beschreien,
die Seele meinem Geißbock weihen,
so wie weiland, Johann Faust,
hab ich sie schon lang verkauft.

Vergebung ist mir dort beschieden,
sicher find ich meinen Frieden,
dort bei himmlischem Gesang,
wie fast mein ganzes Leben lang.                  16.04.2010

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